Schimmel: Leck oder Lüften? So findest du die Ursache
Kommt der Schimmel von einem Leck oder von Tauwasser an kalten Wänden? Typische Bilder, Messungen und Fragen, mit denen du die Ursache findest.
Von Michael AlbrandtAktualisiert am 5 Minuten Lesezeit

Inhalt
Warum ist die Ursache so wichtig?
Schimmel kommt wieder, wenn die Feuchte bleibt. Darin sind sich Umweltbundesamt, DGUV und Versicherer einig. Wer nur die Fläche saniert, steht bald wieder da.
Die Ursache entscheidet auch, wer zahlt. Ein Leck in der Leitung ist oft ein Fall für die Wohngebäudeversicherung. Tauwasser vom Wohnen ist es meist nicht. Welche Ursache was bedeutet, steht in Leitungswasser oder Starkregen.
Kenn ich: Der Mieter sagt Leck, der Vermieter sagt Lüften. Du stehst dazwischen. Dann helfen nur Messwerte.
Woher kommt die Feuchte?
Das Umweltbundesamt teilt die Ursachen in drei Gruppen. Oft wirken mehrere zusammen.
| Gruppe | Beispiele |
|---|---|
| Baulich | Wärmebrücken, schlechte Dämmung, Leckagen, Neubaufeuchte, aufsteigende Feuchte |
| Nutzung | Zu wenig heizen oder lüften |
| Sonstige | Wasser durch Havarien wie einen Rohrbruch oder durch Hochwasser |
Ab wann wächst Schimmel?
Es muss nicht nass sein. Laut Umweltbundesamt genügen 70 bis 80 Prozent relative Luftfeuchte direkt an der Oberfläche. Und zwar, wenn sie länger anhält.
So entsteht Schimmel auch ohne Leck. Warme Raumluft trifft auf eine kalte Wand. An der Wand steigt die Feuchte. Das Umweltbundesamt rechnet ein Beispiel vor.
- Raumluft 22 Grad mit 50 Prozent relativer Feuchte.
- Wand an der Oberfläche 14,5 Grad.
- An der Wand sind es dann rund 80 Prozent Feuchte.
- Tauwasser fällt erst bei etwa 11 Grad aus. Schimmel wächst also schon vorher.
Deshalb reicht ein Blick auf das Hygrometer im Raum nicht. Du brauchst auch die Temperatur an der Wand.
Welche Bilder sprechen für ein Leck, welche für Tauwasser?
Das Bild des Befalls gibt erste Hinweise. Beweise sind es nicht. Prüf jeden Hinweis mit Messungen nach.
| Hinweis | Eher ein Leck | Eher Tauwasser |
|---|---|---|
| Ort | Nahe an Leitungen, Bad, Küche oder Heizung | Außenwandecken, hinter Möbeln an Außenwänden |
| Feuchte im Bauteil | Auch in der Tiefe, oft über eine größere Fläche | Meist an der Oberfläche und örtlich begrenzt |
| Zeit | Unabhängig von der Jahreszeit | Vor allem in der kalten Jahreszeit |
| Wasserzähler | Läuft weiter, obwohl alle Hähne zu sind | Steht still |
So findest du die Ursache
Das Umweltbundesamt beschreibt, was zu einer guten Ortsbegehung gehört. So gehst du vor.
- 1FragenWie wird geheizt und gelüftet? Gab es einen Wasserschaden? Seit wann ist der Fleck da?
- 2Raumklima messenTemperatur und Luftfeuchte im Raum, dazu die Temperatur der Wandoberfläche.
- 3Feuchte im Bauteil messenAn mehreren Punkten und in der Tiefe. So siehst du, wie die Feuchte verteilt ist.
- 4Datenlogger aufstellenÜber mehrere Wochen in der kalten Jahreszeit. Eine einzelne Messung sagt wenig.
- 5Bei Verdacht öffnenBei Leichtbau nach einem Wasserschaden öffnest du die Konstruktion. Dahinter sitzt oft der eigentliche Schaden.
Die Messgeräte für das Bauteil zeigen dir, wie die Feuchte verteilt ist. Einen genauen Wassergehalt liefern sie nicht. Wie du richtig misst, steht in Feuchtemessung nach Wasserschaden.
Wärmebilder von innen gehören laut Umweltbundesamt in erfahrene Hände. Wärmebilder werden leicht falsch gelesen.
Was tust du, wenn es ein Leck ist?
Dann findest du das Leck und lässt es beheben. Danach wird getrocknet, und zwar ohne Aufschub. Das Umweltbundesamt verlangt, Wasserschäden unverzüglich zu trocknen. Erst danach kommt die Schimmelsanierung.
Welches Ortungsverfahren passt, steht in Leckortung: Welche Methode wofür?. Wie die Sanierung abläuft, steht in Schimmelsanierung nach Wasserschaden.
Was rätst du, wenn es Tauwasser ist?
Dann liegt die Ursache beim Heizen und Lüften. Oder an einer kalten Stelle im Bau. Oft ist es beides. Das Umweltbundesamt gibt dafür einfache Tipps.
- Bad und Küche sofort nach dem Duschen oder Kochen lüften. Fenster weit auf, Tür zu.
- Stoßlüften mit ganz geöffneten Fenstern. Querlüften wirkt am besten.
- Schlafzimmer: 16 bis 18 Grad reichen. Pro Person und Nacht kommt etwa ein Viertelliter Wasser in die Luft.
- Möbel mit einigen Zentimetern Abstand zur Außenwand stellen.
- Keller im Sommer nur lüften, wenn es draußen nicht wärmer ist als drinnen.
- Wenig genutzte Räume leicht mitheizen und mitlüften.
Fragen und Antworten
Häufige Fragen
Reicht eine Messung, um die Ursache zu klären?
Selten. Eine einzelne Messung der Wandtemperatur sagt laut Umweltbundesamt wenig. Besser sind Datenlogger über mehrere Wochen in der kalten Jahreszeit.
Ab welcher Luftfeuchte wächst Schimmel?
Schon ab 70 bis 80 Prozent relativer Feuchte an der Oberfläche. Die Feuchte muss nur länger anhalten. Dafür muss die Wand nicht nass sein.
Kann es Leck und Lüften zugleich sein?
Ja. Das Umweltbundesamt schreibt, dass oft mehrere Ursachen zusammenwirken. Klär deshalb erst jede Spur, bevor du dich festlegst.
Hilft ein Wärmebild?
Es kann helfen, kalte Stellen zu finden. Deuten sollte es aber jemand mit Erfahrung, sonst führt es in die Irre.
So klärst du die Ursache
- Bewohner nach Heizen, Lüften und früheren Wasserschäden fragen.
- Raumklima und Temperatur der Wand messen.
- Feuchte im Bauteil an mehreren Punkten und in der Tiefe messen.
- Bei Zweifel Datenlogger über mehrere Wochen aufstellen.
- Hinter Möbeln an Außenwänden nachsehen.
- Erst die Ursache beseitigen, dann den Schimmel.
SanierTakt – die App für Schadensanierung.
Messwerte gleich vor Ort
Du trägst die Messwerte auf der Baustelle ein. Das Protokoll entsteht gleich mit. So siehst du den Verlauf über Wochen.





