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Dämmschichttrocknung: So trocknest du die Dämmung unter dem Estrich

Estrich-Dämmschicht trocknen: drei Verfahren, Aufbau der Anlage und Filter bei Schimmel. Dazu die Regeltrocknungszeiten nach VdS 3150.

Von Michael AlbrandtAktualisiert am 5 Minuten Lesezeit

Drei Querschnitte durch Estrich und Dämmschicht. Saugverfahren: Die Anlage saugt, trockene Raumluft strömt über die Randfuge nach. Saug-Druck: mehr Saugen als Drücken. Druckverfahren: Luft mit Keimen und Staub tritt in den Raum aus.
Die drei Verfahren der Dämmschichttrocknung. Nach Leitungswasser ist Unterdruck die Regel.Grafik in voller Größe
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Wann brauchst du eine Dämmschichttrocknung?

Unter vielen Estrichen liegt eine Dämmschicht. Läuft dort Wasser hinein, kommt es von oben kaum wieder heraus. Estrich und Belag liegen wie ein Deckel darauf. Dann muss Luft durch die Dämmschicht strömen, und zwar mit einer eigenen Anlage.

Getrocknet wird erst, wenn die Ursache gefunden und behoben ist. So steht es in der VdS 3150, der Richtlinie der Versicherer. Wie du die Ursache findest, steht in Leckortung: die Methoden im Überblick.

Welche Verfahren gibt es?

Das Umweltbundesamt unterscheidet drei Verfahren. Der Unterschied ist die Richtung, in die die Luft strömt.

Nach Umweltbundesamt (Infobox 15 und Kapitel 6.3.6), VdS 3150 und DGUV Information 201-028.
VerfahrenSo strömt die LuftWann einsetzen
SaugverfahrenDie Anlage saugt Luft aus der Dämmschicht. Trockene Raumluft strömt über die Randfuge nach.Regel nach Leitungswasser. Bei Schimmel nur dieses Verfahren.
Saug-Druck-VerfahrenEine Seite saugt, eine Seite drückt. Der Saugstrom ist größer als der Druckstrom.Auch in genutzten Räumen möglich.
DruckverfahrenDie Anlage drückt Luft in die Dämmschicht. Die feuchte Luft tritt an der Randfuge in den Raum aus.Nicht in genutzten Räumen und nicht bei Schimmel.

Beim Druckverfahren kommt die Luft aus der Dämmschicht in den Raum. Mit ihr kommen Keime, Fasern und Staub. Deshalb ist nach Leitungswasserschäden Unterdruck die Regel.

Wann brauchst du einen H-Filter?

Auch beim Saugverfahren bläst die Anlage die Luft irgendwo wieder aus. Nach draußen darf sie nur, wenn dabei niemand gefährdet wird. Sonst gehört ein Filter der Staubklasse H dazwischen. So regelt es die VdS 3150.

Bei Schimmel gelten strengere Regeln aus der DGUV Information 201-028. Du arbeitest dann nur mit Unterdruck. Der Hauptfilter hat mindestens die Klasse H13. Und du bläst befallene Flächen nicht an.

Wie baust du die Anlage auf?

So läuft der Aufbau in der Praxis. Die Einzelheiten gibt der Hersteller deiner Anlage vor.

  1. 1Vorher klärenIst die Ursache behoben? Bei Baubeginn vor dem 31. Oktober 1993 gilt Asbestverdacht, etwa für Fliesenkleber und Spachtel.
  2. 2Leitungen ortenSuch Heizrohre und Leitungen im Estrich, bevor du bohrst. Bei Fußbodenheizung hilft die Wärmebildkamera.
  3. 3Bohren und Kerne prüfenBohrungen bis in die Dämmschicht setzen. Jeden Bohrkern ansehen, riechen und fotografieren.
  4. 4Randfuge öffnenTrockene Raumluft soll über die Randfuge nachströmen. Oft kommen dafür Sockelleisten und Silikonfugen weg.
  5. 5Anlage anschließenSchläuche an die Bohrungen. Dazu Wasserabscheider, Filter und Seitenkanalverdichter oder Turbine.
  6. 6Luftstrom prüfenMiss mit dem Anemometer, ob an jeder Bohrung Luft strömt. Wo nichts strömt, trocknet nichts.

Ein angebohrtes Heizrohr ist ein Tätigkeitsschaden. Was deine Versicherung dazu sagt, steht in Betriebshaftpflicht für Sanierer.

Was gehört zur Anlage?

Eine Anlage für die Dämmschicht besteht aus mehreren Teilen. Jedes hat eine eigene Aufgabe.

Aufbau nach VdS 3150 und Herstellerangaben von Trotec. Die Reihenfolge der Teile gibt der Hersteller vor.
TeilAufgabe
Seitenkanalverdichter oder TurbineErzeugt den Unterdruck und bewegt die Luft durch die Dämmschicht.
WasserabscheiderHolt Wasser aus dem Luftstrom und schützt so den Verdichter.
FilterTrotec nennt Grobabscheider, Demister, F8 und H13. Die Filter halten Tröpfchen, Staub und Keime zurück.
SchläucheVerbinden die Bohrungen mit der Anlage.
AnemometerZeigt, ob an jeder Bohrung Luft strömt.
Trockner im RaumSorgt dafür, dass trockene Luft über die Randfuge nachströmt.

Auch die Anlage braucht Strom. Laut Hersteller braucht der Seitenkanalverdichter Trotec VE 4 bis rund 26 kWh am Tag. Das ist die Obergrenze bei Volllast rund um die Uhr. Die VdS 3150 verlangt einen geeichten Zähler je Gerät oder Anlage.

Wie viele Bohrungen brauchst du?

Anzahl und Abstand der Bohrungen regelt das WTA-Merkblatt 6-16. Es bemisst die Bohrungen nach Trocknungsfläche und Dämmstoff. Das Merkblatt ist nicht frei abrufbar, du musst es kaufen.

Feste Faustregeln aus dem Netz sind nicht belegt. Verlass dich nicht darauf. Wer oft Dämmschichten trocknet, sollte das Merkblatt im Büro haben.

Wie lange dauert die Trocknung?

Die VdS 3150 nennt Regeltrocknungszeiten je Aufbau. Hier die wichtigsten Werte.

Wie du die Dauer dem Kunden erklärst: Trocknungsdauer nach Wasserschaden.

Nach VdS 3150, Anhang A10.
AufbauRegeltrocknungszeit
Dämmschicht aus Polystyrol oder XPS14 Tage
Dämmschicht aus Mineralfaser14 bis 21 Tage
Perlite14 bis 18 Tage
Schüttungen14 bis 21 Tage
Verbundestrich14 Tage

Erreichst du das Trocknungsziel nicht in zumutbarer Zeit, wird zurückgebaut. Stimm das früh mit dem Versicherer ab. Mehrarbeit sprichst du nach VdS 3150 vorher mit ihm ab.

Wann ist die Dämmschicht trocken?

Ziel ist die Ausgleichsfeuchte, die der Baustoff ohne Schaden hätte. Das weist du mit dem Trocknungsprotokoll nach, über die ganze Trocknung. Erst danach kommt der Wiederaufbau.

Zur Endkontrolle misst du mit der Sonde in frisch gebohrten Löchern. Oberflächengeräte zeigen kurz nach der Trocknung zu niedrige Werte. Kommt ein neuer Belag auf den Estrich? Dann brauchst du zusätzlich die CM-Messung für die Belegreife. Mehr dazu steht in Trocknungsziel.

Fragen und Antworten

Häufige Fragen

Darf ich die Dämmschicht im Druckverfahren trocknen?

In genutzten Räumen nicht. Dort gehen nur Saug- oder Saug-Druck-Verfahren. Bei Schimmel nur Unterdruck. Nach Leitungswasser ist Unterdruck ohnehin die Regel.

Warum soll ich am Bohrkern riechen?

Ein muffiger Geruch kann auf Schimmel in der Dämmschicht hinweisen. Dann gelten strengere Regeln für Verfahren und Filter. Die VdS 3151 nennt das Ansehen und Riechen der Bohrkerne.

Wie viele Bohrungen brauche ich?

Das regelt das WTA-Merkblatt 6-16 nach Fläche und Dämmstoff. Feste Faustregeln aus dem Netz sind nicht belegt.

Was, wenn die Dämmschicht nicht trocken wird?

Dann wird zurückgebaut. Stimm das vorher mit dem Versicherer ab und halte alle Messwerte fest.

Wie viel Strom braucht die Anlage?

Der Seitenkanalverdichter VE 4 braucht laut Hersteller bis rund 26 kWh am Tag. Dazu kommt der Trockner im Raum. Jedes Gerät oder jede Anlage braucht einen geeichten Zähler.

Deine Liste für die Dämmschichttrocknung

  • Ursache behoben und Asbest geklärt, bevor du bohrst.
  • Heizrohre und Leitungen im Estrich orten.
  • Unterdruck als Regel, bei Schimmel Hauptfilter mindestens H13.
  • Randfuge öffnen, damit trockene Luft nachströmen kann.
  • Luftstrom an jeder Bohrung mit dem Anemometer prüfen.
  • Bohrkerne ansehen, riechen und fotografieren.

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